Mobile Banking bei Amazon, o2 und Co.

Quereinsteiger ins Finanzgeschäft

Immer mehr Unternehmen, die bisher nichts mit dem Finanzgeschäft zu hatten, drängen in den Bankenmarkt. Klassische Finanzinstitute sehen dieser Entwicklung mit wenig Freude entgegen. Kein Wunder: Die Quereinsteiger locken nicht nur mit Kreditkarten, schnellen Überweisungen und Mobile Banking via Smartphone, sondern sie besitzen auch etwas, das gegenüber traditionellen Banken ein großer Vorteil ist: Jede Menge Kundendaten.

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Bezahlen mit Amazon, Apple oder Google

Quelle: Amazon

Amazon-Chef Jeff Bezos ist ein mächtiger Mann. Und diese Macht hat er mit einem eigenen Zahlungsdienst nochmals gesteigert. Der Online-Riese bietet in Kooperation mit Visa eine eigene Kreditkarte an, die mit zahlreichen Boni lockt. So wird die Kreditkarte für Prime-Mitglieder ohne Jahresgebühr, dafür aber inklusive 30 Euro Gutschrift angeboten. Zusätzlich gibt es bis zu drei Prozent bei einem Kauf auf Amazon.de zurück.

Zusätzlich hat Amazon Anfang 2019 Amazon Pay gestartet. Mit der Online-Bezahlmethode können Nutzer bei Drittanbietern mit dem Amazon-Konto bezahlen. Somit spart man sich ein weiteres Kundenkonto, da man bei dem jeweiligen Händler für einen Kauf hätte anlegen müssen.

Mobilfunkunternehmen als Finanz-Quereinsteiger

Doch Amazon ist nicht der einzige potenzielle Konkurrent für klassische Finanzinstitute. Viele Tech-Firmen haben bereits den Schritt in den Finanzsektor gewagt. Mit Facebook können die Nutzer beispielsweise Geld senden, bei Paypal kann man sich Geld leihen und mit Google oder Apple kann  bezahlt werden.

Auch Mobilfunkunternehmen sind auf den fahrenden Finanzzug aufgesprungen. Seit 2016 bietet die o2-Muttergesellschaft Telefónica deutschen Kunden ein vollständiges Bankkonto für das Smartphone an. Kooperiert wird dabei mit der Münchener Fidor Bank.

Die Macht der Daten

Gegenüber den klassischen Banken haben die Tech-Unternehmen einen riesigen Vorteil: Sie sind im Besitz von Milliarden von Kundendaten. Amazon weiß beispielswiese, ob ein Händler pünktlich liefert, wie die Rückmeldung ist und wieviel er im letzten Monat verkauft hat. "Amazon und Paypal haben die Datenkompetenz. Das macht sie auf dem Feld nahezu unschlagbar", sagt Jochen Siegert, früherer Paypal-Manager und heute Berater für Finanz-Start-ups.

Dasselbe gilt für Telefónica. Nach dem Zusammenschluss der Marken o2 und E-Plus ist der spanische Mobilfunker mit über 45 Millionen Mobilfunkanschlüssen die Nummer eins in Deutschland vor der Telekom Deutschland und Vodafone.

Banken finden Situation nicht lustig

Verständlich, dass bei solch geballter Datenkompetenz die Banken ihre Nasen rümpfen. Der Vorstand eines großen deutschen Geldhauses nannte solche Quereinstiege unter der Hand eine "spaßbefreite Angelegenheit".

Wie ernst die Banken die neue Tech-Konkurrenz nehmen, zeigt eine Umfrage aus dem letzten Jahr. Unter 300 befragten Bankern gab fast jede zweite an, die großen Tech-Unternehmen für "eine bedeutende Bedrohung" zu halten.

Situation in Deutschland noch bankenfreundlich

Die deutschen Banken müssen sich hingegen noch nicht allzu große Sorgen machen. Hierzulande werden viele Services wie Apple Pay oder Google Pay noch verhalten eingesetzt. Der Grund: Die Deutschen sind im Bereich Mobile Banking und Mobile Payment sehr zurückhaltend.

"Da sehr viele Banken in Deutschland aktiv sind, ist der Markt wenig profitabel, daneben ist in Deutschland die Kreditvergabe enger reguliert als in anderen Ländern", weiß Finja Carolin Kütz, Deutschland-Chefin von Oliver Wyman. Zudem haben die Deutschen großes Vertrauen in die deutschen Banken. "Gegenüber den Technologieunternehmen genießen Banken einen großen Vertrauensvorsprung."

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